Gürtel um Gürtel

Hallo Aka-Kuro-Fans!

Heute gibt es auf unserem Blog einen Artikel zum Thema Graduierungen, der in ähnlicher Form als Kommentar von mir bereits auf http://www.kyumson.de/ erschienen ist. Graduierung – ein Thema, das jeden bei Aka-Kuro angeht.

In vielen Kampfkünsten ist es üblich Graduierungsstufen zu verwenden, um den Entwicklungsfortschritt eines Kampfkünstlers sichtbar zu machen. Hierbei gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Methoden den Grad eines Schülers – aber auch den eines Meisters – einzuordnen und zu kennzeichnen. Die wohl gängigste Methode ist die Verwendung von farbigen Gürteln, die vom Kampfkunst-Ausübenden als Rangabzeichen getragen werden.

Das Gürtel-Graduierungssystem, auch Kyu-Dan-Prinzip genannt, wurde von Judo-Stilbegründer Kanō Jigorō erstmals im Bereich der Kampfkünste eingeführt. Zuvor regelten Kyu-Dan-Ränge lediglich die Spielpartnerwahl beim japanischen Go-Brettspiel und man geht heute davon aus, dass Kanō dieses System von dort in seine Judo-Kampfkunst übernommen hat. Kanō machte sich Kyu-Dan zu Nutze, um seine Schüler auf ihren Leistungsstand hin bewerten zu können. Das war zu einem gewissen Zeitpunkt notwendig geworden, da die Zahl seiner Schüler stetig zunahm und er den Überblick über den Reifegrad seiner Schüler nicht verlieren wollte.

In der Tat: Das Tragen eines farbigen Gürtels zur Kennzeichnung des Schüler-/Meistergrades ist für einen Trainer äußerst praktisch. Selbst ab einer geringeren Anzahl von Schülern fällt es so wesentlich leichter den Überblick zu behalten und man kann das Niveau des Trainings entsprechend der anwesenden Teilnehmer anpassen.

Auch aus Sicht des Lernenden ist ein Graduierungssystem sinnvoll. Jeder, der selbst eine Kampfkunst über einige Jahre kontinuierlich praktiziert hat, kann sagen: Es gibt nichts motivierenderes als auf das Ziel – nämlich die Verleihung des schwarzen Gürtels – hinzuarbeiten. Für viele Schüler ist das der Hauptgrund, warum sie überhaupt dabei bleiben.

Leider bringt die Verwendung eines Graduierungssystems auch viele Probleme mit sich:

  • Zum Beispiel versucht so mancher Schüler von einer zur nächsten Graduierung zu eilen und lernt dabei nur für seine nächste Gürtelprüfung. Der eigentliche Sinn beim Ausüben einer Kampfkunst wird dabei ganz vergessen: Das Lernen selbst!
  • Ganz extrem kann es werden, wenn mit Kampfkunst Geld verdient werden soll. Viele der kommerziell betriebene Kampfkunstschulen sind auf Einnahmen und damit auf ihre Mitglieder angewiesen. Sie halten ihre Schüler durch stetige Gradierungen bei Laune, damit sie im Gegenzug bereit sind den teuren Monatsbeitrag und die Prüfungsgebühren zu zahlen. In so einem Fall läuft zwangsläufig etwas schief: Der Grad entspricht nicht mehr dem Leistungsstand des Schülers und stellt damit kein Qualitätsmaß seiner Fähig- und Fertigkeiten mehr dar.
  • Leider gibt es in der Budo-Welt viele Egozentriker und Selbstdarsteller. Graduierungen werden hier (leider überwiegend bei uns im Westen) dazu genutzt, um sich selbst besser darzustellen. Getreu nach dem Motto: „Seht her, ich bin wer!“ Dies kann im Extremfall sogar in der Gründung eines eigenen Stils enden, um sich den Titel des obersten Großmeisters einer Kampfkunst zu sichern. Gerade heutzutage sprießen vor allem bei uns im Westen immer neue Großmeister und ihre neuartigen Kampfsysteme wie Pilze aus dem Boden. Oft spielen hier niedere Beweggründe bei der Stilgründung eine Rolle. Soll man sie alle anerkennen? Was gibt einem eigentlich die Berechtigung einen eigenen Stil zu gründen?
  • Wegen der oben bereits genannten Probleme fällt es aus heutiger Sicht leider sehr schwer (vor allem aus Sicht von Laien) den Kyu-Dan-Grad als Qualitäts- und Leistungsmerkmal eines Kampfkünstlers zu bewerten. Letztlich muss man sich als Außenstehender immer selbst ein eigenes Bild machen: Man muss den Kampfkünstler in der Ausübung seiner Kampfkunst beobachten, um sich von seinem Fähig- und Fertigkeiten überzeugen zu können. Um diese dann auch noch bewerten zu können, benötigt man jedoch selbst ein wenig Erfahrung im Bereich Kampfkunst. Dem ungeschulten Auge eines Laien gelingt es in der Regel leider nur schwer gut von schlecht zu unterscheiden.

Meiner Meinung nach kann der Grad eines Kampfkunstausübenden für den genauen Vergleich des Leistungsstands – wenn überhaupt – nur innerhalb einer Kampfkunstschule angewandt werden. Das ist darin begründet, da Lerninhalte und Trainingsmethoden sehr stark von Verein zu Verein variieren. Letzten Endes unterrichtet jeder Meister seine eigene Interpretation der gelehrten Kampfkunst. Zwar kann man durch ein externes Prüfungskomitee einen gewissen vereins-/verbandsübergreifenden Standard schaffen, aber hieraus entstehen wiederum andere Nachteile, auf die ich an dieser Stelle nicht eingehen möchte.

Fazit:
Der Kampfkunstunterrichtende hat die Pflicht seinen Schülern zu verdeutlichen, dass der Gürtelgrad nur als grober Indikator der eigenen Entwicklungsstufe dienen kann und außerhalb des eigenen Dojang/Dojo praktisch kaum Vergleichbarkeit bietet.
Statt ständig nach dem nächsten Gurt zu streben, sollten Schüler vielmehr bestrebt sein bei(m) Training/Seminaren von anderen Kampfkünstlern und den selbst gemachten Erfahrungen zu lernen. Gürtelgraduierung kommen dann ganz automatisch. Es nützt keinem Budoka einen Gürtel zu tragen, den er nicht repräsentieren kann. Beim Vergleich zwischen zwei Kampfkünstlern aus unterschiedlichen Dojangs kann es sonst schnell peinlich werden.
Des Weiteren sollte der Meister seine Schüler als Aushängeschild betrachten. Seine Fähigkeiten als Kampfkunst-Ausbilder, sollen sich im Können seiner Schüler widerspiegeln. Ungerechtfertigte Graduierungen beschämen nicht nur den Graduierten, sondern auch seinen Meister bzw. seinen Prüfer!

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